Akutbehandlung des Herzinfarktes

Die Verdachtsdiagnose eines akuten Herzinfarkts ist ein zwingender Grund zur sofortigen stationären Krankenhausaufnahme!

Was geschieht im Krankenhaus?

Als erstes erfolgt die Klärung der Verdachtsdiagnose. Neben derärztlichen Untersuchung und Blutentnahmen zur Laboruntersuchung kommt dem sofort anzufertigenden EKG eine Schlüsselrolle zu. Hiervon hängt der Ablauf der weiteren Maßnahmen ab.

Finden sich im EKG Zeichen eines akuten Herzinfarktes (sogenannter ST-Strecken-Hebungsinfarkt), so besteht der hochgradige Verdacht auf einen akuten Verschluss einer der großen Herzkranzarterien , und der Patient muss schnellstmöglich einer Maßnahme zur Wiederherstellung des Blutflusses im Herzkranzgefäß zugeführt werden.

Weist das EKG diese Zeichen nicht auf, verbleibt der Patient trotzdem in stationärer Behandlung mit wiederholten Kontrollen von EKG und Blutwerten und unter Beobachtung seines Zustandes (Blutdruck, Herzrhythmus, subjektive Beschwerden etc.). Erst wiederholt negative Testungen nach mehreren Stunden schließen einen Herzinfarkt aus und würden die Entlassung des Patienten aus der stationären Beobachtung erlauben.

Wenn sich der Herzinfarkt bestätigt...

1. Beseitigung der auslösenden Ursache (Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes)

Die erste und wichtigste Maßnahme ist die Beseitigung der auslösenden Ursache, also die Wiederherstellung des freien Blutflusses im zuvor verschlossenen Herzkranzgefäß.

Die effektivste Methode zur Erreichung dieses Ziels ist die sofortige Durchführung einer Herzkatheteruntersuchung mit Darstellung der Herzkranzgefäße (Coronarangiographie). Hierbei kann die Verschlussstelle im Kranzgefäß genau identifiziert werden. Es erfolgt dann mittels einer Ballonerweiterung (PTCA) die Wiedereröffnung des Gefäßes. In den meisten Fällen wird anschließend eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt.

Als alternative Methode zur sofortigen Herzkatheteruntersuchung (falls ein Krankenhaus mit einer solche Option nicht zur Verfügung steht oder nur mit erheblicher Zeitverzögerung erreichbar ist) kommt eine so genannte Fibrinolyse in Frage. Hierbei wird dem Patienten ein Medikament injiziert , welches das Blutgerinnsel auflöst und somit den Blutfluss im Herzkranzgefäß wiederherstellt. Einschränkend muß gesagt werden, dass dieses Verfahren nur in den ersten drei Stunden nach Beginn des Infarkts effektiv und mit einem gewissen Risiko unerwünschter Blutungen behaftet ist.

Ergänzend zu den geschilderten Maßnahmen bedarf es einer blutgerinnungshemmenden Begleittherapie, durch welche sowohl die Funktion der Blutplättchen (Thrombozyten) als auch die der Gerinnungseiweiße (plasmatische Gerinnung) herabsetzt. Es handelt sich dabei um Medikamente wie Heparin, Aspirin, Clopidogrel und ggf auch die sogenannten Glykoproteinrezeptorantagonisten. Zweck dieser Therapie ist die Verhinderung eines raschen Wiederverschlusses des soeben eröffneten Gefäßes durch neuerliche Blutgerinnsel.

2. Verhinderung bzw. Beherrschung von Komplikationen (zB. Herzrhythmusstörungen, Pumpversagen)

Die Behandlung des Infarktpatienten erfolg auf einer Intensivstation, wo eine kontinuierliche Monitorüberwachung des Herzrhythmus und der Kreislaufverhältnisse stattfindet. Durch Gabe bestimmter Medikamente (Betablocker, ACE Hemmer oder Angiotensinrezptorantagonisten ggf auch Aldosteronantagonisten) wird das Herz ruhiger gestellt und der Blutdruck reguliert, um Rhythmusstörungen und der Ausbildung einer Herzschwäche vorzubeugen.

Die intensivmedizinische Überwachung gewährleistet eine sofortige Reaktion aus eventuell auftretende Komplikationen.

Als häufigste Komplikationen seien Herzrhythmusstörungen genannt, die in leichteren Fällen gar keiner , oder nur einer medikamentösen Therapie bedürfen, in schweren Fällen aber mit Elektroschock oder durch vorübergehende Anlage eines Herzschrittmachers behandelt werden müssen. Entsprechende Geräte sind auf jeder Intensivstation verfügbar.

Eine weitere häufige Komplikation ist das Auftreten einer Herzschwäche, welche von leichten Flüssigkeitsstauungen in der Lunge (kann meistens durch geeignete Medikamente und Sauerstoffgabe beherrscht werden) bis hin zu schweren Verläufen mit Pumpversagen des Herzens und Ausbildung eines Schocks reichen kann. In solch schweren Fällen ist dann meistens eine maschinelle Beatmung und eine Kreislaufunterstützung medikamentöser (Katecholamine) und maschineller Art erforderlich.

3. Maßnahmen zur Linderung der subjektiven Beschwerden des Patienten (Schmerzen, Luftnot, Unruhe etc)

Der Infarktpatient leidet im akuten Stadium häufig unter Schmerzen, ist unruhig und ängstlich. Dadurch kommt es zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, was ungünstig für den Krankheitsverlauf ist. Daher werden Schmerz und Beruhigungsmittel verabreicht. Ferner sollte eine ruhige Atmosphäre auf der Intensivstation herrschen, um den Patienten gegen störende äußere Einflüsse abzuschirmen.

Wann verlässt der Patient die Intensivstation?

Die Dauer des Aufenthaltes auf der Intensivstation ist sehr variabel. Sie hängt im Wesentlichen von der Größe des Infarktes und von eventuellen Komplikationen ab.Diese müssen vor Verlegung  sicher beherrscht und der Patient stabil sein. In unkomplizierten Fällen kann der Patient die Intensivstation im Durchschnitt nach 1-3 Tagen verlassen und auf die Normalstation verlegt werden. Das weitere Augenmerk richtet sich danach auf die Rehabilitation und die Behandlung von Risikofaktoren.

Letztlich gilt: Je früher die Akutbehandlung des Infarktes erfolgt, desto geringer ist der Schaden am Herzmuskel, desto geringer die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen, desto kürzer der Klinikaufenthalt, desto besser übersteht der Patient den Herzinfarkt.