Fragen zum Herzinfarkt

Wann bin ich besonders gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden?

Ein Herzinfarkt kann grundsätzlich jeden Menschen irgendwann im Laufe seines Lebens treffen. Das Erkrankungsrisiko steigt für Männer mit dem Erreichen des vierzigsten, für Frauen des fünfzigsten Lebensjahres. Auch wer vorher keine Beschwerden an sich bemerkt hat, kann plötzlich einen Infarkt erleiden. Da die allermeisten Herzinfarkte durch eine Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen, die sogenannte koronare Herzkrankheit (KHK), ausgelöst werden, sind insbesondere die Menschen betroffen, deren Gefäße durch sogenannte Risikofaktoren belastet werden. Dazu gehören neben Rauchen und Übergewicht auch Bluthochdruck und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie erhöhte Blutfette, insbesondere hohes Cholesterin. Allgemein sind auch mangelnde Bewegung, Streß und familiäre Belastung für die Ausbildung einer KHK von Bedeutung.

Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, kann z.B. nach dem sogenannten Procam-Score berechnet werden. Unter der Web-Adresse:

http://www.chd-taskforce.com/calculator.php?iSprache=2&iVersion=1&iSiVersion=0

können Sie sich Ihr individuelles Risiko berechnen lassen.

Was können Sie tun, um Ihr Herzinfarktrisiko möglichst gering zu halten?

Vorbeugen können Sie einer Arteriosklerose und damit der häufigsten Ursache des Herzinfarktes, indem Sie ihre Risikofaktoren so weit wie möglich reduzieren und die folgenden Punkte dabei beachten:

  • Nikotinkonsum führt zu einer Verengung der Blutgefäße, weshalb Sie das Rauchen unbedingt aufgeben sollten.
  • Regelmäßige Bewegung verringert das Risiko und ist neben der Ernährung der entscheidende Faktor, um vorhandenes Übergewicht zu reduzieren.
  • Erhöhtes Cholesterin im Blut begünstigt eine KHK. Möglicherweise verordnete Medikamente sollten daher unbedingt eingenommen werden.
  • Eine ausgewogene fettarme und ballaststoffreiche Ernährung ist empfehlenswert.
  • Bluthochdruck sollte unbedingt behandelt werden, um das Risiko zu senken.
  • Diabetes sollte unbedingt behandelt werden, um das Risiko zu senken. Check-Up: Auch wenn Sie keine besonderen Symptome bei sich feststellen können, bedeutet das nicht, dass Sie nicht auch früher oder später einen Herzinfarkt erleiden können. Die KHK verläuft lange Zeit symptomlos, weshalb viele vermeintlich gesunde Menschen von einem plötzlichen Herzinfarkt überrascht werden. Vergessen Sie daher auch nicht den regelmäßigen Check-Up beim Hausarzt, um Ihr Risiko einschätzen zu können.

Bei Verdacht auf Herzinfarkt sollte sofort der Rettungswagen: 112 wählen!!! verständigt werden. Sie sollten auf keinen Fall selbst mit dem Auto ins Krankenhaus fahren. Ihr Zustand könnte sich plötzlich verschlechtern. Sie gefährden dann auch andere Verkehrsteilnehmer!

Der Herzinfarkt ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. In den ersten vier Wochen sterben 40 bis 50 Prozent der Patienten, wenn keine rasche und richtige Behandlung erfolgt. Die häufigste Todesursache sind Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) und Pumpversagen des Herzmuskels.

Was ist ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ?

Der Herzinfarkt lässt einen Teil des Herzmuskels durch den Verschluss eines Herzkranz-Gefäßes absterben. Das Herz wird normalerweise von drei großen Blutgefäßen, den Herzkranz-Gefäßen (Koronararterien), mit Blut und Sauerstoff versorgt. Wird eines dieser Gefäße durch ein Blutgerinnsel verstopft, kann das Blut nicht mehr zirkulieren. Die Sauerstoffzufuhr ist somit unterbrochen, und der von diesem Gefäß versorgte Herzmuskel stirbt ab, wenn das verschlossene Gefäß nicht innerhalb von wenigen Stunden wieder geöffnet werden kann.

Abgestorbenes Herzmuskelgewebe vernarbt und wird durch Bindegewebe ersetzt. Das Bindegewebe ist recht starr und trägt nicht zur Pumpfunktion des Herzens bei. Je grösser das betroffene Gebiet im Herz ist, desto schlechter pumpt das Herz. Kleine Infarkte beeinträchtigen den Betroffenen nur wenig. Große Infarkte dagegen verringern die Pumpleistung des Herzens (Herzinsuffizienz) dauerhaft und beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit der erkrankten Person für immer. 

Akut ist jeder Herzinfarkt lebensgefährlich unabhängig von der Größe. Je schneller das verschlossene Gefäß wieder geöffnet wird, desto besser ist die Prognose. Daher sollten Sie bei Verdacht auf einen Herzinfarkt so rasch wie möglich im Krankenhaus behandelt werden. Dies gilt auch, wenn infarkttypische Beschwerden nachts oder am Wochenende auftreten.

In Deutschland erleiden jährlich mehr als eine halbe Million Menschen einen Herzinfarkt. Der Herzinfarkt ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Wenn keine rasche und richtige Behandlung erfolgt, sterben 40 bis 50 Prozent der Patienten in den ersten vier Wochen, Frauen häufiger als Männer.

Welche Alarmsignale für einen bevorstehenden Herzinfarkt gibt es?

Leidet man an Angina pectoris (Schmerz, Druck oder Engegefühl in der Brust sowie Luftmangel) und werden die auftretenden Schmerzen nicht mehr wie sonst üblich von Nitro-Präparaten gelindert, sollte umgehend der Notarzt verständigt werden. Dies gilt besonders auch dann wenn diese Beschwerden erstmals auftreten.

Welche Symptome treten bei einem Herzinfarkt auf?

Betroffene erleben, einen Herzinfarkt unterschiedlich. In einigen Fällen verläuft die Erkrankung sogar unbemerkt ("stummer Infarkt"). Ansonsten sind vor allem folgende Symptome charakteristisch:

  • Drückender Brustschmerz
  • Ausstrahlen des Schmerzes in den linken oder rechten Arm, Rücken oder Hals
  • Engegefühl in der Brust, Atemnot, Erstickungsgefühl, Vernichtungsgefühl, Todesangst
  • Schweißausbrüche, Übelkeit, Angstgefühle (evtl. Herzrasen)
  • Schwindelgefühle, plötzliche Bewußtlosigkeit

Wichtig ist: Beim plötzlichen Auftreten eines drückenden oder brennenden Brustschmerzes, der im Ruhezustand nicht vollständig verschwindet und länger als fünfzehn Minuten andauert, besteht ernsthafte Gefahr. Es muß in diesen Fällen sofort der Rettungswagen verständigt werden! 112 wählen!!!

Wie erlebt der Betroffene einen Herzinfarkt?

Typisch sind plötzlich auftretende, starke drückende oder brennende Schmerzen im mittlleren oder vorderen linken Brustbereich. Häufig sind die Beschwerden diffus im ganzen Brustkorb und nicht genau zu lokalisieren. Oft strahlen die Schmerzen in den linken Arm aus. Abhängig von der Lokalisation des Herzinfarkts können Schmerzen aber auch im Oberbauch, im Rücken oder im Kiefer auftreten.

Zusätzlich kommt ein Beklemmungs-, Enge- oder Angstgefühl hinzu. Weitere Symptome sind plötzliche schwere Atemnot, plötzliche Bewusstlosigkeit oder schwere Schwindelgefühle.

Verstopft das Gerinnsel eines der großen Herzkranz-Gefäße, kann dies unmittelbar zum Tod führen (sogenannter akuter Herztod durch Rhytmusstörungen oder Pumpversagen des Herzmuskels).

Bei Frauen äußert sich der Herzinfarkt meistens anders als bei Männern. Oft sind die Beschwerden weniger deutlich als bei Männern. Studien zufolge klagen nur etwa ein Drittel der Frauen über Brustschmerzen. Wichtige Symptome sind Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Übelkeit und kaltes Schwitzen. 

15 bis 20 Prozent der Herzinfarkte treten ohne Schmerzen auf. Diese werden als stumme Infarkte bezeichnet und sind besonders häufig bei Patienten mit Diabetes mellitus. 30 bis 50 Prozent der Herzinfarkte treten "aus heiterem Himmel" ohne vorherige Schmerzen auf.

Ist die Symptomatik des Herzinfarkts bei Frauen und Männern gleich oder gibt es hier Unterschiede?

Während bei Männern die anhaltende Angina pectoris Symptomatik (Brustenge) im Vordergrund steht, stehen bei Frauen häufiger uncharakteristische Beschwerden wie Atemnot oder ein Unwohlsein und ein Leistungsabfall sowie Übelkeit und Erbrechen neben Oberbauchschmerzen im Vordergrund.

Was unterscheidet Herzinfarkte im Besonderen?

Je nach Lokalisation des Infarktes unterscheidet man einen Vorder-, Seiten- oder Hinterwand-Infarkt. Man unterscheidet weiterhin zwischen Infarkten, die durch die gesamte Muskelschicht reichen, und solchen, die nur weniger ausgedehnt an der Innenschicht ablaufen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Neben der Krankengeschichte (Anamnese) sind folgende Untersuchungen wichtig:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Konzentration der Herzenzyme (CK-Wert) im Blut
  • Konzentration von Proteinen aus dem Herzen (Troponin T oder Troponin I) im Blut

In den meisten Fällen werden für einen Herzinfarkt typische Veränderungen festgestellt. Blutprobe und EKG lassen auch auf die Größe des Infarkts schließen.

Mit einer Ultraschall-Untersuchung (Echokardiographie) des Herzens kann festgestellt werden, wie gut das Herz pumpt und welcher Herzbereich von dem Infarkt betroffen ist. Bei großen Herzinfarkten stirbt viel Muskelgewebe ab, so dass die Funktion des Herzens reduziert ist. Der Arzt spricht dann von Herzinsuffizienz (Herzschwäche). 

Durch eine Herzkatheter-Untersuchung kann der Arzt sehen, welches Herzkranz-Gefäß verschlossen ist und welche weiteren Gefäße verengt sind. Auch die Funktion des Herzmuskels und der Herzklappen kann beurteilt werden.

Kann man nach einem Herzinfarkt mit anschließender Bypass-Operation auf Medikamente wie Beta-Blocker, ACE-Hemmer bzw. AT-1-Blocker, Aspirin und Lipid-Senker verzichten?

Die Bypass-Operation stellt keine Heilung der dem Herzinfarkt zugrunde liegenden koronaren Herzerkrankung dar. Entscheidend für das weitere Leben und die Lebenserwartung ist eine Umstellung der Ernährung (Mittelmeerkost, bei Übergewicht: Gewichtsabnahme) und eine regelmäßige körperliche Bewegung, am besten mindestens dreimal pro Woche für eine halbe Stunde ein Ausdauersport, wie zum Beispiel schnelleres Spazieren gehen. Die Belastbarkeit sollte zuvor in einem Belastungs-EKG überprüft werden. Zudem sind die oben erwähnten Medikamente im Regelfall sehr empfehlenswert, da hierfür nachgewiesen ist, dass sie die Lebenserwartung steigern und eine Beendigung der Medikation die Lebenserwartung entsprechend verkürzt.

Nach einem Herzinfarkt wurde eine Gefäßerweiterung mit Stent-Implantation durchgeführt. Ist eine weitere Behandlung und Befundkontrolle erforderlich?

In dieser Situation ist neben der Lebensumstellung eine medikamentöse Therapie unbedingt erforderlich. Kontrolluntersuchungen sollten nach den derzeitigen Erkenntnissen regelmäßig durchgeführt werden, in jedem Fall bei Änderung der Beschwerde-Symptomatik, ansonsten halbjährlich bis jährlich beim Kardiologen in Abhängigkeit vom jeweiligen weiteren Verlauf der Erkrankung. Diese Kontrolluntersuchungen umfassen jeweils die Erfragung der von Ihnen empfundenen Beschwerde-Symptomatik, eine Blutentnahme zur Blutfett- und Blutzucker-Bestimmung, ein EKG, eine Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und, falls dieses nicht ausreichend ist, ein so genanntes Stressechokradiogramm zur weiteren Durchblutungsbestimmung des Herzens. Falls aufgrund dieser Untersuchungen eine darüber hinaus gehende Abklärung in Form einer Herzkatheter-Untersuchung notwendig ist, wird es Ihr behandelnder Arzt beziehungsweise Kardiologe veranlassen.